Strohverkauf erhöht Gewinn im Ackerbau
Derzeit wird Stroh wegen der aktuellen Knappheit durch die widrigen Erntebedingungen 2011 für bis zu 200 €/t gehandelt und kann somit einen deutlichen Umsatzbeitrag im Marktfruchtbau leisten.
Die Möglichkeit der Strohnutzung wird neben dem ursächlichen Gebrauch in der Tierhaltung mittelfristig vor allem energetisch, z.B. in Strohheizkraftwerken, sein. Langfristig wird Stroh aber auch als stoffliche Basis für Biokunststoffe verwertet werden. Aromatische Verbindungen, wie sie in vielen erdölbasierten Kunststoffen zu finden sind, kommen außer im Erdöl nur in Lignin (Holz und Stroh) vor. Daher wird die Chemische Industrie die Ressource Getreidestroh langfristig zu höheren Preisen binden als bei energetischer Nutzung (Aussage von Dr. Joachim Moeser, Saaten-Union GmbH).
Welche Nährstoffmengen verlassen die Fläche tatsächlich?
Mit der Abfuhr von Stroh ist zusätzlich auch eine höhere Abfuhr von Nährstoffen verbunden, was bei der Düngung zu berücksichtigen ist. Doch wie ist diese Nährstoffabfuhr zu kalkulieren? In der Regel wird das Korn-Stroh-Verhältnis hierfür herangezogen. Die Höhe der Stoppel sowie die Mähdrescherarbeit beeinflussen jedoch die Strohmenge, die tatsächlich geerntet werden kann. Untersuchungen der Saaten-Union aus dem Jahr 2010 geben hierzu Aufschluss.
Ergebnis dieser Versuche
- Bei einem Kornertrag von 8 – 10 t/ha Weizen konnten Strohmengen zwischen 4 und 5 t/ha (TM) abgefahren werden, bei Triticale wurden bei 10 t/ha Kornertrag gut 6 t/ha Stroh geerntet.
- Die nicht beerntbaren Bestandteile wie Spreu und Kurzstroh wurden in einer Größenordnung von ebenfalls ca. 5 t/ha festgestellt.
Somit hat das altbekannte Korn-Stroh-Verhältnis von ca.
1:1 - 0,9 Gültigkeit. Jedoch wird durch die modernen Hochleistungsmähdrescher mit Rotordreschwerken das Stroh mechanisch stärker beansprucht und während des Dreschvorgangs stärker zerkleinert und kann somit von den Pressen nur teilweise aufgenommen werden.
Zur Nährstoffabfuhr
Bei Betrachtung der Strohmengen alleine nach dem Korn-Stroh-Verhältnis würden nach diesen Untersuchungen falsche Werte für die Düngung kalkuliert. Realistische Werte sollten beim Strohverkauf geschätzt werden. Orientierung geben die beschriebenen Versuchsergebnisse.
Beispiel einer Nährstoffbedarfskalkulation für eine 3-feldrige Fruchtfolge, bestehend aus 2xWeizen und 1xRaps. Nährstoffabfuhr der Kulturen pro ha (Datengrundlage: Landwirtschaftskammer NRW):
Weizen (13 % RP): 9 t/ha
Nährstoffentzug:
ca. 175 kg N/ha, 72 kg P2O5/ha und 54 K2O/ha
Stroh: 6 t/ha
Nährstoffentzug:
ca. 30 kg N/ha, 20 kg P2O5/ha und 85 kg K2O/ha
Raps: 4 t/ha
Nährstoffentzug:
ca. 135 kg N/ha, 72 kg P2O5/ha und 40 kg K2O/ha
Nährstoffabfuhr der Fruchtfolge (2xWeizen, 1xRaps) pro ha, mit Berücksichtigung einer Kaliauswaschung von 20 kg/ha pro Jahr:
- ohne Strohbergung ca. 485 kg N/ha, 215 kg P2O5/ha und 210 kg K2O/ha
- mit Strohbergung ca. 545 kg N/ha, 255 kg P2O5/ha und 380 kg K2O/ha
Konsequenzen für die Düngung:
P:K-Verhältnis ausgeglichen bei reiner Körnerernte
Bei diesen unterschiedlichen Bewirtschaftungen ändert sich zum einen die Höhe der Nährstoffabfuhr, zum anderen das Verhältnis von Phosphat und Kali. Sofern nur die Körner geerntet werden, ist das Verhältnis von Phosphat und Kali ausgeglichen (215 kg P2O5/ha und 210 kg K2O/ha in der Fruchtfolge). Die Düngung mit einem Volldünger wie Nitrophoska 15+15+15 oder 20+10+10 als Startdünger im Frühjahr ist zu empfehlen.
Erhöhter Kalibedarf beim System „Körner plus Getreidestrohabfuhr“
Bedingt durch die Strohabfuhr ist der Kalibedarf erhöht. Hier muss der Ersatz der Nährstoffmengen über eine kalistarke Formel wie Nitrophoska 13+9+16(+4+7) erfolgen (255 kg P2O5/ha und 380 kg K2O/ha in der Fruchtfolge).
Nitrophoska wird zur ersten Gabe als Basisdünger im Frühjahr eingesetzt. Weitere N-Gaben zu den jeweiligen Kulturen können je nach Schwefelbedarf mit ASS (26% N, 13% S) oder KAS erfolgen.
Bergungskosten, Nährstoffabfuhren und Humusbilanz entgegen rechnen
Sicher ist der Verkauf des Strohs verlockend, jedoch sind dem Verkaufserlös die Bergungskosten (Pressen, Abfuhr, evtl. Einlagerung), sowie die in diesem Beispiel aufgeführten jährlichen Nährstoffabfuhren von ca. 30 kg N/ha, 20 kg P2O5/ha und 85 kg K2O/ha entgegen zu rechnen. Hinzu kommt die Betrachtung der Humusbilanz. So wird der Anbau von Gründüngungspflanzen die Kalkulation des Strohverkaufs weiter belasten.


